Klimawandel und Mykotoxine: Erster Nachweis von Aflatoxin B1 in österreichischem Mais bestätigt neue Risiken für die Lebensmittelsicherheit

Klimawandel und Mykotoxine: Erster Nachweis von Aflatoxin B1 in österreichischem Mais bestätigt neue Risiken für die Lebensmittelsicherheit

07.Juli.2026 Svenja Elsner

Steigende Temperaturen und häufigere Trockenperioden verändern nicht nur die Erträge landwirtschaftlicher Kulturen sondern verändern auch das Risiko einer Mykotoxinbelastung. Eine aktuelle Studie aus Österreich liefert nun erstmals den Nachweis von Aflatoxin B1 in Mais aus Niederösterreich und bestätigt damit wissenschaftliche Prognosen zum Einfluss des Klimawandels auf die Lebensmittelsicherheit.

Der Klimawandel verändert die Mykotoxinbelastung

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft werden häufig mit sinkenden Erträgen, Wasserknappheit oder zunehmenden Extremwetterereignissen in Verbindung gebracht. Weniger im Fokus steht jedoch ein ebenso bedeutender Aspekt: die Veränderung der mikrobiellen Flora auf landwirtschaftlichen Kulturen.

Mit steigenden Temperaturen verschieben sich die Lebensräume vieler Pilze und Krankheitserreger. Wärmeliebende Arten, die bislang vor allem in südlichen Regionen Europas vorkamen, breiten sich zunehmend nach Norden aus. Dadurch entstehen neue Risiken für die Lebens- und Futtermittelsicherheit.

Eine aktuelle Studie von Rennhofer et al. (2026), veröffentlicht in Food Control, liefert hierfür einen wichtigen Beleg. Erstmals wurde Aflatoxin B1 (AFB1) in Mais nachgewiesen, der in Niederösterreich angebaut wurde.

Was ist Aflatoxin B1?

Aflatoxin B1 ist ein hochtoxisches Mykotoxin, das hauptsächlich vom Schimmelpilz Aspergillus flavus gebildet wird. Es zählt zu den stärksten natürlich vorkommenden Karzinogenen und wird sowohl von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als auch von der International Agency for Research on Cancer (IARC) als besonders gesundheitsgefährdend eingestuft.

Bereits geringe Mengen können langfristig gesundheitliche Auswirkungen haben. Deshalb gelten in der Europäischen Union strenge Höchstgehalte für Aflatoxine in Lebens- und Futtermitteln.

Während Aflatoxin-Kontaminationen bislang vor allem in tropischen, subtropischen und mediterranen Regionen auftraten, zeigen Klimamodelle seit Jahren, dass steigende Temperaturen und längere Trockenperioden das Risiko künftig auch in Mitteleuropa erhöhen werden.

Die Studie im Überblick

Die Untersuchung ist Teil des Langzeitprojekts BOKU TTox-Monitor, das den Einfluss des Klimawandels auf das Auftreten von Mykotoxinen in Mais und Weizen untersucht.

Im ersten Versuchsjahr wurden:

  • 24 Maissorten
  • in vier Wiederholungen
  • auf insgesamt 96 Versuchsparzellen

unter standardisierten Bedingungen auf einem Versuchsfeld bei Tulln in Niederösterreich angebaut.

Für die Analyse nutzten die Forschenden eine moderne LC-MS/MS-Methode, mit der mehr als 700 Pilz- und Pflanzenmetabolite gleichzeitig bestimmt werden können. Dadurch konnten sowohl regulierte als auch bislang weniger beachtete Mykotoxine erfasst werden.

Erster Nachweis von Aflatoxin B1 in niederösterreichischem Mais

Der wichtigste Befund der Studie war der erstmalige Nachweis von Aflatoxin B1 in einer der 96 untersuchten Parzellen.

Die gemessenen Konzentrationen lagen zwischen 4,47 und 29,49 µg/kg. Mehrere Wiederholungsanalysen bestätigten den Befund eindeutig.

Parallel wurde der verantwortliche Schimmelpilz Aspergillus flavus mikrobiologisch nachgewiesen.

Interessanterweise wurde A. flavus auch in einer benachbarten Parzelle gefunden, ohne dass dort Aflatoxin B1 nachweisbar war. Dies verdeutlicht, dass nicht jeder Pilzstamm zwangsläufig Toxine produziert und dass weitere Umweltbedingungen für die Toxinbildung entscheidend sind.

Warum trat Aflatoxin gerade 2024 auf?

Die Autoren führen das Auftreten von Aflatoxin B1 auf das außergewöhnliche Klima des Jahres 2024 zurück.

Nach Angaben der Studie war 2024 das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Niederösterreich. Besonders während der empfindlichen Entwicklungsphase des Maises herrschten:

  • lang anhaltende Hitze,
  • geringe Niederschläge,
  • ausgeprägter Trockenstress.

Diese Bedingungen gelten als optimal für die Entwicklung von Aspergillus flavus und die Bildung von Aflatoxinen.

Zusätzlich wurde ein starker Befall durch den Maiszünsler beobachtet. Die Fraßschäden erleichtern dem Pilz das Eindringen in die Pflanze und erhöhen damit das Risiko einer Kontamination.

Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie eng Klimawandel, Pflanzenstress, Schädlingsbefall und Mykotoxinbildung miteinander verknüpft sind.

Weitere Mykotoxine waren weit verbreitet

Neben Aflatoxin B1 untersuchten die Forschenden zahlreiche weitere Mykotoxine.

Besonders häufig wurden nachgewiesen:

  • Fumonisine
  • Deoxynivalenol
  • Zearalenon
  • T-2- und HT-2-Toxine

Die meisten Konzentrationen lagen zwar unter den geltenden EU-Grenzwerten, dennoch wurden in rund 90 % aller untersuchten Parzellen regulierte Mykotoxine nachgewiesen.

Außerdem zeigte sich eine erhebliche räumliche Variabilität. Selbst innerhalb desselben Versuchsfeldes unterschieden sich die Mykotoxinprofile einzelner Parzellen deutlich. Dieses Ergebnis verdeutlicht, wie komplex Mykotoxinbelastungen sind und wie wichtig repräsentative Probenahmen sowie leistungsfähige Analysen sind.

Was bedeutet das für Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie?

Die Studie bestätigt wissenschaftliche Prognosen, wonach sich das Risiko einer Aflatoxin-Kontamination infolge des Klimawandels zunehmend nach Mitteleuropa verlagert.

Für Landwirtschaft, Lebensmittelwirtschaft und Behörden bedeutet dies:

  • Monitoringprogramme müssen kontinuierlich angepasst werden.
  • Neue Mykotoxine müssen frühzeitig erkannt werden.
  • Klimabedingte Veränderungen der Mykotoxinprofile sollten langfristig überwacht werden.
  • Präventions- und Risikomanagementstrategien gewinnen weiter an Bedeutung.

Lebensmittelsicherheit wird damit zunehmend auch zu einer Frage der Klimaanpassung.

Warum Multi-Mykotoxin-Analysen künftig unverzichtbar sind

Ein besonders wichtiger Aspekt der Studie ist die angewandte Analytik.

Der Nachweis von Aflatoxin B1 gelang, weil ein umfassendes Multi-Mykotoxin-Screening durchgeführt wurde. Statt nur einzelne Zielanalyten zu untersuchen, wurden gleichzeitig mehrere hundert relevante Metabolite analysiert.

Gerade unter sich verändernden klimatischen Bedingungen reicht die Untersuchung einzelner Mykotoxine häufig nicht mehr aus. Neue Kontaminationsmuster entstehen schrittweise und können nur erkannt werden, wenn Monitoringprogramme ausreichend breit angelegt sind.

Multiplex-Analysen leisten hierbei einen wichtigen Beitrag, indem sie mehrere relevante Mykotoxine gleichzeitig erfassen und so eine umfassendere Bewertung der Proben ermöglichen.

SAFIA Multiplex: Effizientes Monitoring für zukünftige Herausforderungen

Mit dem SAFIA Multiplex Assay können mehrere relevante Mykotoxine parallel in einer Analyse bestimmt werden. Dadurch lassen sich Veränderungen von Mykotoxinprofilen effizient überwachen und neue Risiken frühzeitig erkennen.

Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels gewinnen Multiplex-Analysen zunehmend an Bedeutung, sowohl in der Forschung als auch im Qualitätsmanagement von Lebens- und Futtermitteln.

Fazit

Der erstmalige Nachweis von Aflatoxin B1 in österreichischem Mais ist mehr als ein einzelner wissenschaftlicher Befund. Er bestätigt, dass sich klimabedingte Veränderungen bereits heute auf die Verbreitung mykotoxinbildender Pilze auswirken.

Für die Zukunft werden langfristige Monitoringprogramme, moderne Multi-Mykotoxin-Analysen und leistungsfähige Multiplex-Technologien entscheidend sein, um neue Kontaminationsrisiken frühzeitig zu erkennen und die Sicherheit entlang der gesamten Lebensmittel- und Futtermittelkette zu gewährleisten.

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